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Berichte aus der Sterbebegleitung

Eben komme ich von der Klinik nach Hause - ich hatte heute wieder einmal die Möglichkeit, einen Menschen beim Sterben begleiten zu dürfen. Er war die ganze Zeit sehr unruhig, seine Frau hat bei jeder Regung Panik bekommen und stand unter Strom, hat es zwar kaum im Zimmer ausgehalten, aber trotzdem jede Hilfe abgelehnt. Ich habe mich dann einfach 40 Minuten still ins Zimmer gesetzt und meditiert, was sie gut nehmen konnte und als Unterstützung empfunden hat, da sie dadurch selbst ruhiger wurde.

Gegen Nachmittag  ging sie eine Weile aus dem Zimmer. Ich bin rein und habe dem Mann sanft die Hand aufs Herzchakra gelegt und dabei meditiert, d.h. ich habe einfach Energie gespürt und Bilder in mir hochsteigen lassen: Bilder von Fließen, von eingebunden sein, von eins sein. Er wurde nach und nach ruhiger und das Stöhnen, das er bei jedem Ausatmen von sich gab, verstummte. Dann kam seine Frau wieder ins Zimmer, setzte sich dazu und er starb "unter meiner Hand". (Er gab noch einen Schrei oder Ruf von sich; mir kam das Bild eines Marathonläufers, der nach langer Anstrengung endlich ins Ziel einläuft). Es folgte eine Phase von sanft ausklingenden Atemzügen, bei welchen seine Frau ihm die Hand hielt (ich habe mich etwas in den Hintergrund zurückgezogen).

Im Zimmer nebenan lag ein Moslem, bei welchem eine ganze Mann-schaft zu Besuch war und ein Gebet sang (wunderschön mehrstimmig, ich wusste gar nicht, dass es das im Islam so gibt). Es war eine wunderbare Energie und ich schwang einfach mit. Weder bei dem Sterbenden, noch bei seiner Frau habe ich viel gemacht - ich war, auf eine achtsame Weise, einfach da.

Es ist jedesmal ein besonderes Geschenk, unmittelbar beim Sterben eines Menschen dabei zu sein.


Sehr oft wende ich Atishas Meditation an, sie ist wirklich das Herzstück meiner Arbeit (im wahrsten Sinne des Wortes) und ich bin erstaunt, wie offen todkranke Menschen für diese Arbeit sind - auch wenn sie vorher absolut rationale und nicht spirituelle Menschen waren! Oft schlage ich diese Arbeit vor, wenn jemand sich total verlassen fühlt - auch von Gott. Es gibt (jedenfalls für mich) keine Worte, die dann Resonanz finden oder trösten können.

Manchmal lasse ich Musik dazu laufen, manchmal leite ich die Meditation einfach spontan an, wobei ich die biographischen Bruchstücke, die mir aus den vorherigen Gesprächen mit den Patienten bekannt sind, mit einflechte. Nach der Meditation herrscht ein tiefes und stilles Einverständnis, der Kontakt, der hierdurch stattfindet, trägt und vermittelt ein Gefühl des Friedens (wobei das im Grunde kein "Gefühl" ist, sondern eine existentielle Erfahrung).
Auch für mich selbst ist Atishas Herzmeditation sehr wichtig geworden, weil dadurch all das Leid, mit dem ich in der Klinik konfrontiert bin, einen Platz bekommt.          
   J.; D.

Atisha`s Meditation auf CD 2001, Transformation und Mitgefühl

Video | Geleitete Meditation, Transformation und Mitgefühl

Mitfühlende Pflege

Spirituelle Dimensionen von Leben und Sterben

Das offene Herz kennt nur Verbundenheit

Jochen war 67 Jahre, als wir uns begegneten, er starb an Lungenkrebs und Herzversagen, und war die meiste Zeit darauf beschränkt, im Bett zu liegen. Obwohl er sehr schwach war, versuchte er immer, freundlich und warmherzig zu sein. Er zwang sich sogar oft, wach zu bleiben, um nicht unfreundlich zu erscheinen. Obwohl ich ihn mochte, war unser Kontakt nicht tief, und ich fühlte nicht, dass ich ihm wirklich helfen oder ihn unterstützen konnte.

Nach meinen ersten Besuchen begann er, schnell dahinzuschwinden, besonders mit dem Beginn immer wieder auftretender Demenz. Oft wusste er nicht, wer oder wo er war. Oft sah er mich nur lächelnd an, und lachte ganz still in sich hinein, wie ein Baby. Ich fühlte Freude in seiner liebevollen Art und seiner Wertschätzung des Moments. Er lag auch oft längere Zeit einfach still da, ohne zu sprechen. Dann saß ich bei ihm und machte die Meditation des liebevollen Mitgefühls ( Atisha) , begegnete ihm von Herz zu Herz, ohne gesprochene Worte. Indem ich mich still mit ihm verbinden konnte, bezog ich mich nicht mehr auf ihn als eine psychologische Person oder als ein körperlich ausgelaugtes Wesen. Die Beziehung war mehr die von Wesen zu Wesen.

Indem ich ihn auf diese Weis erfuhr, fühlte ich mich mit seinem dahinschwindenden physischen Zustand immer weniger unwohl. Während das Gefühl von Verbundenheit und innerer Nähe wuchs, erfuhr ich meine Zeit mit Jochen als immer erfüllender.

Langsam sank Jochen in ein Koma, und ich versuchte, ihn regelmässig zu besuchen. Ich saß an seinem Bett, hielt seine Hand, atmete seine Präsenz in den Raum des Herzens, und wiederholte still Worte liebevoller Güte, die Teil der Meditation sein können.

Oft hatte ich den Impuls, mich zurückzuhalten, aus Selbstzweifeln oder Selbstschutz heraus zog ich mich in die falsche Geborgenheit altbekannter Verhaltensweisen zurück.

Aber Teil der Meditation ist es auch, darüber achtsam zu sein, was immer das Herz verschließt, was das Gefühl des Getrenntseins zwischen uns und anderen verstärkt. Wenn Angst aufstieg, oder der Schmerz darin, etwas zurückzuhalten, erfuhr ich ihre Wahrnehmung in der Geräumigkeit des Herzens. Wenn die Angst dann verschwand, konnte das Gefühl von Wärme und liebevoller Güte wieder fließen. Wenn die selbsterrichteten Gefängniswände wegfallen, ist alles, was bleibt, die Verbundenheit, die wir sind.

Als es offensichtlich wurde, dass Jochen dem Tod ganz nahe war, ging ich zu ihm, um mich zu verabschieden. Nachdem ich eine Weile bei ihm gesessen hatte, auch wenn er in einem tiefen Koma zu sein schien, sprach ich laut zu ihm über das, was in meinem Herzen war. Dann lehnte ich mich vorwärts, während ich seine Hand hielt, und flüsterte ihm zu, dass dies unser Abschied war. Als ich seine Stirn küsste, drückte er meine Hand mit unverkennbarer Kraft. In dem Moment erfuhr ich das tiefe Gefühl von Verbundenheit, das die Natur unseres Wesens ist. Das Gefühl von Grenzenlosigkeit und Liebe war uneingeschränkt gegenwärtig, und mir wurde klar, dass dieses kleine „Ich“ sich das Ausmaß der Weite des Herzens noch nicht einmal annähernd vorstellen kann.

                                                                               Veetman

 

sterbendes kind