Informationen | Inhalte der Ausbildung
Seelisch-spirituelle Sterbebegleitung und -Vorbereitung
Zurück zur Übersicht
Die Gnade im Sterben

Ein befreundeter Arzt schreibt über das Bewusstsein der Vergänglichkeit im täglichen Leben.

Auf einer Ebene haben wir alle persönliche Erfahrungen, Wahrnehmungen, Verstehen und Reaktionen über den Beginn und das Ende des Lebens. Die meisten sind uns fühlen sich wohler damit, über den Lebensanfang zu reflektieren, die Geburt, anstatt über Tod und Sterben. Selbst wenn wir erkennen, dass unser eigener Tod unvermeidlich ist, denken die meisten wenig über ihre letzten Tage nach. Wenn wir es tun, werden die meisten Vorstellungen von unseren Ängsten und Hoffnungen bestimmt, unseren Wahrnehmungen der Wirklichkeit und unserer Verneinung dieser Realität, unserem Verständnis der weltlichen und der spirituellen Dimension, und unseren Erwartungen darüber, ob unser Tod ein Ende oder ein neuer Beginn sein wird.

Meine Wahrnehmung vom Tod und den letzten Tagen wurden von nahezu 4 Jahrzehnten als Arzt geformt, deren größter Teil damit verbracht wurde, mich um Kinder mit furchtbaren Krankheiten wie Krebs und AIDS zu kümmern. Als Kinderarzt habe ich den Beginn des Lebens beobachtet und mich daran erfreut. Während es wahr ist, dass die meisten Kinder geboren werden, um zu leben, habe ich doch allzu oft mitbekommen, dass Kinder, Teenager und junge Erwachsene der Aussicht auf ihre letzten Tage schon begegnen mussten, bevor sie einen vollen Geschmack vom Leben gefunden hatten.

Als ich meine Arbeit als Onkologe für Kinder begann, wurde mir beigebracht- und ich glaubte anfänglich daran- dass das Wichtigste, was ich einem Kind und den Eltern versprechen konnte, die einer katastrophalen Krankheit gegenüberstanden, das war, dass der Übergang vom Leben in den Tod angenehmer gemacht werden konnte- oder zumindest ohne Schmerz und Leiden. Und während ich über den Fortschritt staunte, der darin gemacht wurde, den Tod von Krebs und anderen todbringenden Krankheiten abzuwenden, und die Verbesserungen in der Betreuung und der Schmerzmedizin, habe ich trotzdem allzu oft das Versagen der medizinischen Behandlungen darin erfahren, die Krankheiten zu besiegen oder dem Übergang vom Leben zum Tod eine Würde zu ermöglichen. Das Spektrum ist weit und schließt das Kind mit ein, das in der Lage ist, einen letzten Tag im Arm seiner Eltern zu verbringen, bis zu denjenigen, deren Tod auf eine Weise geschieht, die das Kind und seine Familie erschrecken und deshalb auf Abstand zueinander gehen lassen.

Während einige Trost in tief empfundenen religiösen Überzeugungen über die Unvermeidlichkeit des Todes finden, und dem Glauben, dass ein Leben von Leiden von einem jenseitigen Dasein gefolgt wird, in dem es keinen Schmerz gibt, erleiden alle, die den Tod eines Kindes erfahren, gewisse Konsequenzen. Zukünftige Erinnerungen, Gefühle und selbst Überzeugungen bleiben niemals unverändert, wenn jemand die letzten Tage eines Kindes miterlebt. Meine Gefühle und Überzeugungen wurden wieder und wieder von solchen Erfahrungen geprägt.

Mit der Zeit lernen Ärzte, ihre Emotionen einzuordnen und abzuschotten, ganz besonders, wenn sie Kinder mit lebensbedrohlichen Krankheiten betreuen. Und obwohl ich dies auch bis zu einem gewissen Ausmaß gelernt habe, habe ich mir niemals erlaubt, mich von der emotionalen Reaktion auf das Leiden oder den Tod eines Kindes abzutrennen, weil ich glaube, dass die Distanz mich zu einem weniger mitfühlenden und fürsorglichen Arzt machen würde. Ich saß am Bett von unzähligen sterbenden Kindern, hielt ihre Hände und die ihrer Eltern, fühlte ihren Schmerz und versuchte, ihn zu lindern, und in einigen Fällen, mit dem Verständnis ihrer Eltern und manchmal auch etwas Drängen, half ich, ihr Leiden zu verringern, selbst wenn dies das Ableben ihres Kindes beschleunigte.

Ich hatte ehrliche und offenherzige Gespräche mit Kindern über ihre letzten Tage- einige von Ihnen waren kaum alt genug, um zu lesen. Kinder haben erstaunliche Einsichten über ihr inneres Wesen; frei von Vorurteilen, unvoreingenommen von Lebenserfahrungen oder Erwartungen, können sie bemerkenswert aufrichtig und empfänglich sein. Die meisten Kinder fühlen auch ein Bedürfnis, ihre Eltern zu schützen, und fast alle wissen, auf einer Ebene, wenn ihr letzter Tag gekommen ist. Auch wenn es offensichtlich ist, dass fast alle Kinder zum Leben hin orientiert sind, und erstaunliche Dinge vollbringen können, selbst wenn sie von Krankheiten und Leiden beeinträchtigt werden, ist es ebenso wahr, dass Kinder es fühlen, wenn ihr eigner Tod nahe bevorsteht.

Ich habe Jugendliche erlebt, die ihre Träume darüber erzählten, wie Engel kommen und ihnen helfen, in den Himmel zu gehen, und Andere, deren Schmerz und Leiden ihre Fähigkeit ausschlossen, emotionalen oder physischen Trost zu finden, und einfach „gehen wollten“.

Manchmal geschieht die Vorbereitung auf den letzten Tag eines Kindes plötzlich, und manchmal geschieht sie in Monaten oder Jahren- mit dem Aufsteigen und Verebben gefühlsmäßiger Übergänge in der Begegnung mit dem Unvermeidbaren, dem Endlichen, dem Ende.

Es ist keine Frage, dass meine Sicht des Lebens entscheidend durch die Erfahrungen der letzten Tage von Kindern verändert wurde. Als ich mich während der frühen Tage der AIDS-Erkrankungen in den USA um Kinder kümmerte, und Dutzende von Kindern und Teenagern beobachtete, die die Hoffnungslosigkeit des Lebens oder ihrer letzten Tage erlitten, gezeichnet von Schmerz , Atemnöten, Verfall ihrer Beweglichkeit oder Wahrnehmungsfähigkeit, sah ich mich zunehmend ärgerlich werden über die Ungerechtigkeit einer Krankheit, mit der ich nicht meinen Frieden machen konnte, und die ich anfänglich noch nicht einmal aufhalten oder behandeln konnte. Meine persönlichen Momente von innerer Stille wurden immer mehr ersetzt – sogar überflutet- von Visionen von ungerechterweise leidenden Kindern, die das Ende ihres Lebens erreichten, bevor sie selbst das erwachende Leben erfahren konnten, und vom Leiden ihrer Familien. Obwohl ich kein religiöser Mensch war, habe ich immer eine spirituelle Ebene gefühlt, - auch wenn sie nicht von Glauben an ein Weiterleben begleitet war, an Reinkarnation , oder sogar die Existenz einer Seele im Menschen. Aber eine Offenheit für Spiritualität kann durch Bilder des letzten Tages entstehen, der zu früh kommt oder ohne jede Gerechtigkeit oder Grund geschieht.

Und während ich mit der Zeit über einige dieser Gefühle eine neue Perspektive gefunden habe, kann es keinen Zweifel darüber geben, dass die Sicht über meine eigenen unvermeidbaren letzten Tage von den Geschehnissen beeinflusst wird, die ich bei den Kindern und Familien beobachtet habe, die ich als Arzt betreut habe. Sie haben einen tiefen Einfluss auf die Weise, wie ich die letzten Tage meiner geliebten Menschen zu unterstützen hoffe oder wünsche, oder meine eigenen letzten Tage

      




Der 73-jährige Martin in seinem Krankenhausbett starb an Krebs. Er war seit 8 Stunden im Koma, als sein 7 Monate alter Enkel von der Mutter zu ihm gelegt wurde.
Kaum in der Lage, seine Augen zu öffnen, legte Martin seinen Arm um das Baby. In dieser Nacht verließ er friedlich seinen Körper.

Die Transformation im Prozess des Sterbens.
Die letzten Tage

Impressum     ABGs     Datenschutz


home  siteinfos   das institut    heilung & bewusstsein    programm     transformation    cd-programm    meditation    kontakt

 

Kostenlose Beratung in Situation von Trauer
und Sterben