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Die Erfahrung des näherkommenden Todes

"Wenn das Irdische deinen Namen nicht mehr kennt, flüstere der stillen Erde zu:
Ich fliesse.." Rilke

Stephen Levine hat einmal gesagt: In der Gegenwart eines gerade Verstorbenen wird uns bald bewusst, dass das Bewusstsein in uns, das über den Tod des anderen bewusst ist, genau das Bewusstsein im anderen ist, das gerade seinen Körper verlassen hat.

Der Lebensimpuls eines Wesens kehrt im physischen Tod in den Urgrund des Seins zurück.

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Die Beobachtung dieses Übergangs lässt uns darauf schliessen, dass sich unser Bewusstsein von unserer einzigartigen Form durch das Universale zum Absoluten bewegt. In der Erfahrung des näherkommenden Todes scheint das Bewusstsein Ebenen zu betreten, die nicht mehr an die materielle, weniger subtile Dimension der physischen Ebene gebunden ist.

Die Erfahrung des näherkommenden Todes ist die Bezeichnung, die wir in unserer Arbeit benutzen, um die Zeitspanne des aktiven Sterbens als auch die seelisch- spirituelle Transformation zu beschreiben, die in dieser Zeit vor sich geht.

Es ist gleichzeitig ein körperliches und seelisch- spirituelles Geschehen.


Wir beziehen uns hier auf die Karnofsky- Skala, die in der Onkologie gebräuchliche Klassifikation zur Festlegung der sich verändernden körperlichen Leistungsfähigkeit eines Patienten. Diese Prozentzahlen verändern sich im Verlauf des Sterbeprozesses, parallel zu den seelisch- spirituellen Stadien des Sterbens auf dem Weg der Rückkehr.

* 100 %   Normalzustand, keine Beschwerden, keine manifeste Erkrankung
* 90 %    minimale Krankheitssymptome
* 80 %    normale Leistungsfähigkeit mit Anstrengung
* 70 %    eingeschränkte Leistungsfähigkeit, arbeitsunfähig, kann sich alleine versorgen
* 60 %    gelegentliche fremde Hilfe
* 50 %    krankenpflegerische und ärztliche Hilfe, nicht dauernd bettlägrig
* 40 %    bettlägrig, spezielle Pflege erforderlich
* 30 %   schwerkrank, Krankenhauspflege notwendig
* 20 %    Krankenhauspflege und supportive Maßnahmen erforderlich
* 10 %   moribund, Krankheit schreitet schnell fort

                                               

Der Punkt im Krankheitsverlauf, der das Einsetzen der psychologischen und seelisch- spirituellen Transformation durch Chaos, Hingabe und Transzendenz erzwingt, liegt mindestens bei 30 % auf dieser Skala, aber oft auch schon unterhalb von 50 %.

Dank unserer individuellen Einzigartigkeit gibt es auch hier zahllose Variationen. Die Erfahrung des näherkommenden Todes kann an jedem Punkt im Verlauf einer tödlichen Krankheit während der schwierigen Vorgänge des Sterbeprozesses beginnen. Viele Menschen beginnen den Prozess der Transformation lange bevor körperliche Beeinträchtigungen sie zu einem niedrigen Punkt auf der Karnofsky- Skala bringen. Wenn jemand mit einer tödlichen Krankheit eine Stufe von 30 % oder weniger auf der Skala erreicht, ist die körperliche Kondition normalerweise nicht mehr rückgängig zu machen. Deshalb nutzt man diese Erkenntnisse oft, besondern bei anderen Krankheiten neben Krebs, als eine Richtlinie , die auf den unmittelbar bevorstehenden Eintritt in den Prozess des aktiven Sterben hinweist.( Diese Skala ist allerdings nicht besonders hilfreich in der Beobachtung chronisch kranker älterer Menschen in Hinsicht auf einen unmittelbar bevorstehenden Tod).

Aktives Sterben ist ein nicht mehr aufzuhaltender physiologischer Prozess, der das Versagen der körperlichen Systeme und das Ende aller organismischen und zellularen Lebens umfasst. In einem Menschen, der auf den Tod zugeht, braucht dieses Ereignis mehr eine mitfühlende seelisch und palliative Betreuung anstatt medizinischer Eingriffe.

In der mittelalterlichen christlichen Tradition wurde die Zeit des Sterbens als ein Übergangsritus in drei Abschniten gesehen, die ungefähr mit den jetzt erkannten Stadien von Chaos, Hingabe und Transzendenz übereinstimmen.

Auch das Tibetische Totenbuch BARDO spricht diese Phasen der Transformation an, indem es die Auflösung der Elemente unseres Wesens anspricht. Dieses sind die Elemente, deren Integrität unser persönliches Bewusstsein auf der Ebene des körperlichen Daseins sichergestellt haben.

Ich werde mich auf die Einsichten dieser Weisheitstraditionen beziehen, während wir im weiteren Verlauf dieser Erforschung unsere Aufmerksamkeit auf die Zeit des Sterbens richten, um die körperlich- seelisch- spirituellen Bedürfnisse des Sterbenden besser erkennen zu können. Ich werde auch das miteinbeziehen, was wir über die Nahtoderfahrungen erkannt haben, die oft mit der Erfahrung des näherkommenden Todes einhergehen.        Siehe Nahtoderfahrungen.

Ich sagte, dass die Erfahrung des näherkommenden Todes an den Zeichen bestimmter Qualitäten erkannt werden kann. Es ist eine Erfahrung, die von Qualitäten wie Entspannung, Rückzug, innerem Leuchten, Innerlichkeit, Stille, etwas Heiligem, Transzendenz , Wissen, Intensität, Verschmelzen und erfahrender Vollkommenheit bestimmt wird. Jeder dieser Qualitäten ist eine von Gnade, von ausgedehnten Bewusstseins- und Identitätszuständen. Zusammen mit körperlichen Anzeichen und Symptomen körperlichen Versagens kündigt die heraufziehende Anwesenheit der Qualitäten von Gnade den näherkommenden Tod an.

Viele von uns, die mit Tod und Sterben nicht vertraut sind, fürchten vielleicht, dass "diese Ebene von Bewusstsein, dieser weite Raum, in dem man sterben wird, über unsere Fähigkeiten zur Bereitschaft dazu hinausgeht", und doch habe ich oft beobachtet, dass der Tod "das Beste" in uns hervorbringt.

Viele sehr kranke Menschen sterben wirklich in Frieden, wenn man Ihnen erlaubt, auf ihre eigene Weise und in ihrer eigenen Zeit zu sterben, ohne die "heldenhaften" Eingriffe der medizinischen Gesellschaft, und mit mitfühlender angemessener Palliativpflege.

Vielleicht werden wir in naher Zukunft mehr bereit sein, als Gesellschaft und als menschliche Gemeinschaft, denjenigen, die sterben, zu erlauben, auf ihre eigene Weise zu sterben. Vielleicht werden wir es zulassen, ihre Aufmerksamkeit auf die tiefe und grundlegende Transformation zu richten, die sie erfahren, und nicht auf die grosse Anzahl von Ablenkungen, die wir ihnen aus Angst, Ignoranz und Hilflosigkeit in den Weg stellen.

In dieser Hinsicht verdient die Hospizbewegung Anerkennung und Dankbarkeit. Ihre Expertise und Mitgefühl haben die Möglichkeit erschaffen, zumindest " in Würde zu sterben". Ihr Wissen und Angebot wirklich hilfreicher Palliativmedizin haben den Weg dafür bereitet, dass wir uns jetzt auch auf die seelisch-spirituellen Aspekte des Sterbens ausrichten können.


Das bedeutet leider nicht, dass das normale Hospiz sich mit wirklichem Bewusstsein mit den seelisch- spirituellen Aspekten und Einsichten in die Transformation des Sterbens beschäftigt. Viele Hospize sprechen leider nur mit Worten über die Möglichkeit, dass Sterben noch etwas anderes als ein medizinisches Ereignis sein kann. Insbesondere die Hilflosigkeit und fehlende spirituelle Authentizität der christlichen "Übergangshelfer" tragen zu diesem traurigen Mangel bei, über die wir oft von Betroffenen hören. Hier gibt es noch einen grossen Mangel an überkonfessioneller Offenheit in der Begleitung Sterbender, denn es ist nicht das Recht irgendeiner Religion, die alleinige Wahrheit für sich zu beanspruchen, oder Sterbende in irgendeiner Weise noch religiös zur einzigen Wahrheit zu bringen, um " ihre Seele zu retten".

Siehe auch die Mitteilung zur kürzlichen Veranstaltung über Gesetzesänderungen zum Thema.

Der Hauptfokus der Hospizbewegung ist die körperliche Betreuung, und dies wird sehr gut, mit viel Hingabe und persönlichem unentgeltlichen Einsatz getan.

In einer Studie mit Beobachtungen bei tausenden von Sterbenden im Moment ihres Todes wird berichtet, dass die Sterbenden, wenn sie völlig bewusst ( d.h. nicht im Koma oder unter starker chemisch induzierter Betäubung waren) und in der Lage waren, auf ihre Umgebung mit uneingeschränkter Aufmerksamkeit einzugehen, als vorherrschende Emotion nicht Angst erleben, sondern Ruhe.
Ich stelle es hier zur Diskussion, dass diese Art von massivem medizinischen Eingreifen der "gib dem Tod nicht nach"- Mentalität" genau der Faktor ist, der dazu führt, dass viele Menschen nicht friedlich sterben.

Unsere Angst vor dem Tod ist in unserem Ego begründet, unserem persönlichen Gefühl eines Selbst. In der mentalen Erschaffung dieses Ich-Bewusstseins haben wir die Einheit von Leben und Tod zerstört. Wir haben diese Einheit unterdrückt. Und dann haben wir überall um uns herum diesen Krieg zwischen Leben und Tod projeziert. Wir haben vergessen, dass es unser mentales Ego selbst ist, das die ursprüngliche Einheit zwischen Leben und Tod zerstört und unterdrückt hat.
Ken Wilber behauptet, dass die Tatsache, dass Leben und Tod "nicht zwei" sind, so schwer zu greifen ist, nicht weil sie so komplex ist, sondern weil sie so einfach ist.

Uns fehlt die Einheit von Leben und Tod genau an dem Punkt, an dem unser gewöhnliches Bewusstsein beginnt, darüber nachzudenken.
Diese ursprüngliche Einheit enthüllt sich für diejenigen, die Bewusstseinspraktiken ausführen, bereits mitten im täglichen Leben, und für uns alle , immer wieder und unausweichlich, im Prozess des Sterbens. In der Transformation des Bewusstseins, in der Ausdehnung des Bewusstseins in transpersonale Wirklichkeiten, geschieht eine radikale Veränderung in der Wahrnehmung der Verbindung zwischen Leben und Tod.

Die Erforschung des Weges zu dieser Wahrnehmung in der Erfahrung des näherkommenden Todes wird  in unseren Ausbildungen gelehrt.

Unterstützend zum klaren Verständnis dieser Transformation ist der CD Set 2018,
Transformation im Leben und Sterben
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